Die spanische Unterhaltungsbranche

Spanien gilt als ausgesprochen spiel- und unterhaltungslustig. Das lässt sich nicht zuletzt in der einmal jährlich zu Weihnachten ausgetragenen "Loteria del Niño" ermessen, die nicht nur Rekordeinnahmen, sondern auch Rekordausschüttungen mit sich bringt. Ein klein bisschen am Rockzipfel des Glücks schnuppern, ist hier die Devise vieler Spanier, die sich per Lottoschein aus ihrem zuweilen nicht ganz unbeschwerlichem Leben heraus bewegen wollen. Doch nicht nur am Glücksspiel auf hohem Niveau nehmen die Spanier regen Anteil: Casinos, die beliebten Bingohallen, sowie die allenthalben aufgestellten einarmigen Banditen zeugen von der spanischen Lust am Spiel und der Unterhaltung.

Nicht nur dem Lotteriespiel sind die Spanier und Spanierinnen nicht abgeneigt. Ein Blick auf die allabendlichen Fernsehsendungen zeigt hier ein offensichtliches Überangebot an Unterhaltungs- und Quizshows – zu Lasten der Informations- und Wissenssendungen, die in Spanien nur unterdurchschnittlich vertreten sind. Doch nicht nur vor dem Fernsehgerät verbringen viele Jugendliche ihre freie Zeit. Gerade am Wochenende füllen sich die spanischen Straßen mit Jugendlichen, die die "Marcha" nutzen – das abendliche Ausgehen, nicht selten von einer nicht unwesentlichen Menge alkoholischer Getränke begleitet.

Dass die Unterhaltungskultur in Spanien diesen Stellenwert besitzt, hat mit dem Umstand zu tun, dass Spanier außerordentlich gesellig sind und jede Gelegenheit nutzen, zu feiern und Spaß zu haben. Das gilt trotz – oder gerade wegen – der um sich greifenden Krise, die viele Familien aber auch Jugendliche und Paare nicht unwesentlich trifft. Den Anbietern von Unterhaltungs- und Vergnügungsgütern bereitet dieser Trend einige Sorgen, denn das Pro-Kopfeinkommen vieler Spanier sinkt seit einiger Zeit nicht unerheblich. Doch lassen sich bereits wieder einige Kennzahlen der spanischen Wirtschaft ausmachen, die einen einigermaßen zuversichtlichen Ausblick auf die Zukunft gestatten. Auf der EXPO OCIO – der Leitmesse für Spiel- und Unterhaltung – im Dezember letzten Jahres wurde diese Entwicklung ebenfalls deutlich.